Die Notwendigkeit des Schöpfers

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Die großen Fragen einer Epoche verraten mehr über ihren Zustand als ihr technischer Fortschritt. Eine Gesellschaft zeigt ihren inneren Kern nicht durch das, was sie kann, sondern durch das, wonach sie fragt. Heute kreisen diese Fragen zunehmend um Selbstverwirklichung, Identität und subjektives Empfinden. Vor nicht allzu langer Zeit hingegen stand eine andere Frage im Zentrum menschlichen Daseins: Wie gelange ich zurück zu meinem Schöpfer?

Dieser Wandel ist kein bloßer kultureller Trend. Er offenbart einen Bruch mit dem Ursprung, und dieser Bruch hat Konsequenzen – für den Einzelnen wie für ganze Gesellschaften.

Der Verlust des Ursprungs und seine Folgen

Wird der Schöpfer als Ursprung des Seins abgelehnt, verschiebt sich der Maßstab für Wahrheit, Moral und Sinn zwangsläufig vom Außen ins Subjekt. Der Mensch wird zum Referenzpunkt seiner selbst. Was wahr ist, wird zu dem, was sich wahr anfühlt. Was gut ist, zu dem, was dem eigenen Empfinden dient.

Die Bibel beschreibt diesen Zustand nüchtern:

„Mancher Weg erscheint dem Menschen richtig, aber zuletzt führt er ihn doch zum Tod.“
(Sprüche 14,12)

Ohne einen objektiven Ursprung gibt es keine objektiven Konsequenzen. Moral wird verhandelbar, Verantwortung relativ, Leben austauschbar. Sinnfreiheit ist dabei kein neutraler Zustand – sie wirkt zerstörerisch. Ein System ohne Ziel beginnt, sich selbst infrage zu stellen.

Selbstverwirklichung als Sackgasse

Wenn Freiheit zum höchsten Gut wird, wird sie meist als Maximierung von Lust und Minimierung von Leid verstanden. Die logische Endstufe dieses Denkens ist nicht Kreativität oder Verantwortung, sondern Zustandsoptimierung: der Versuch, sich möglichst gut zu fühlen.

Hier wird deutlich, warum es letztlich gleichgültig ist, womit man sich füllt, wenn der Ursprung fehlt. Ob Konsum, Macht, Sexualität, Ideologie oder Spiritualität ohne Gott – das Ergebnis ist strukturell dasselbe: Selbstbefriedigung. Das Ich ist Quelle, Maßstab und Ziel zugleich.

Der Drogenrausch ist die konsequenteste Form dieses Prinzips. Er verspricht unmittelbaren Sinn, intensive Freiheit und maximale Selbstverwirklichung. Doch er trägt nichts, baut nichts auf und ordnet nichts. Selbst wenn er dauerhaft erreichbar wäre – was er nicht ist – könnte er kein lebensbejahendes Handeln hervorbringen.

Die Schrift spricht diese Dynamik klar an:

„Dabei verheißen sie ihnen Freiheit, obgleich sie doch selbst Sklaven des Verderbens sind; denn wovon jemand überwunden ist, dessen Sklave ist er auch geworden.“
(2. Petrus 2,19)

Persönliche Erfahrung: Wenn Sinn fehlt, wird Leben gleichgültig

Ich spreche hier nicht aus theoretischer Distanz. Bevor ich Gott kannte, drehte sich mein Dasein ausschließlich um Bedürfnisbefriedigung – um Überleben, Lust, Flucht. Dieses Streben füllte mein Handeln zunehmend aus, bis ich an einen Punkt gelangte, an dem ich das Leben selbst verneinte. Massive Drogenabhängigkeit und Gefängnis waren nicht Ausrutscher, sondern die logische Konsequenz eines sinnentleerten Systems.

Die Befriedigung reichte nicht mehr aus, um mein eigenes Leben zu schützen oder zu schätzen. Ein mögliches Ableben war mir gleichgültig geworden. Nicht, weil ich das Leben hasste – sondern weil es sich selbst nicht mehr begründen konnte.

Die Bibel beschreibt diesen Zustand treffend:

„Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten!“
(Jeremia 2,13)

Das Gewissen als Hinweis auf den Schöpfer

Ein zentraler Punkt ist das Gewissen. Es ist nicht Folge unseres Handelns, sondern dessen Ursprung. Es meldet sich, bevor wir handeln, nicht erst danach. Es sagt nicht: „Das ist unklug“, sondern: „Das ist falsch.“ Und es tut dies unabhängig von Nutzen, Beobachtung oder sozialer Anerkennung.

Wäre der Mensch lediglich ein Produkt zufälliger evolutionärer Prozesse, die auf das Überleben des Stärkeren abzielen, dann wären Gewissen, Empathie, Schuld und Selbstopfer hinderlich. Doch sie sind universell, normativ und nicht abschaltbar.

Die Schrift bestätigt diese innere Gesetzmäßigkeit:

„Wenn nämlich Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz verlangt, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz, da sie ja beweisen, daß das Werk des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben ist, was auch ihr Gewissen bezeugt, dazu ihre Überlegungen, die sich untereinander verklagen oder auch entschuldigen“
(Römer 2,14–15)

Ein Gesetz setzt einen Gesetzgeber voraus. Ein moralischer Anspruch setzt einen Urheber voraus. Das Gewissen ist kein evolutionärer Fehler – es ist ein Hinweis.

Die Wende: Rückkehr zur Quelle

Mit der Erkenntnis, dass Gott real ist und dass Christus die selbstlose Quelle des Lebens ist, die sich selbst für ihre Kinder hingibt, erlebte mein Leben eine radikale Wende. Plötzlich hatte alles ein übergeordnetes Ziel. Verantwortung, Achtsamkeit und Rücksichtnahme entstanden nicht aus Zwang, sondern aus Beziehung.

„Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;“
(Johannes 14,6)

Leben wurde nicht länger als Besitz verstanden, sondern als etwas Anvertrautes. Moral war nicht mehr Selbstdisziplin, sondern Antwort. Die Rückkehr zur Quelle des Seins wurde zur Triebfeder des Handelns.

Beziehung und Einsamkeit – zwei Hinweise auf denselben Ursprung

Der Mensch sucht das Gegenüber, weil wir alle Produkte ein und derselben Quelle sind. Wenn diese Quelle Liebe ist, tragen wir Teile dieser Liebe in uns. Darum erkennen wir uns im Anderen wieder.

„Wir lieben ihn, weil er uns zuerst geliebt hat.“
(1. Johannes 4,19)

Gleichzeitig suchen wir die Einsamkeit. Dort verstehen wir uns selbst am klarsten und halten uns am ehrlichsten aus. Auch das ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck unserer Herkunft. Nur wer sich selbst begegnen kann, kann dem Anderen wirklich begegnen.

Fortschritt braucht ein Ziel

Echter Fortschritt setzt Richtung voraus. Richtung setzt Ziel voraus. Ziel setzt Ursprung voraus. Entfernt man den Schöpfer, bleibt Freiheit ohne Richtung. Freiheit ohne Richtung endet im Rausch. Rausch zerstört Leben.

Darum ist der Schöpfer keine optionale Zugabe, kein Trostpflaster und keine kulturelle Krücke. Er ist die notwendige Bedingung, unter der Leben sinnvoll, schützenswert und entwicklungsfähig wird.

„Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen.“
(Römer 11,36)

Schlussgedanke

Ohne Ursprung kein Ziel.
Ohne Ziel kein Fortschritt.
Ohne Fortschritt kein Grund, das Leben zu bejahen.

Die Notwendigkeit des Schöpfers ist kein emotionales Bedürfnis, sondern eine rationale Konsequenz aus dem, was der Mensch ist – und was ohne Gott aus ihm wird.

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