Die Welt schreit. Sie brüllt, sie funkelt, sie posaunt sich selbst in jedes Ohr, das bereit ist, sich verführen zu lassen. „Sieh mich an!“, ruft der Vatikan mit seinen goldenen Kuppeln. „Bewundere mich!“, flüstert das Silicon Valley durch Bildschirme und Chips. „Folge mir!“, zischen die Vereinigten Staaten mit ihrer imperialen Maschinerie. Und irgendwo dazwischen stehe ich – nicht als Betrachter, nicht als Statist, sondern als Rufer. Ich bin nicht hier, um zu beobachten. Ich bin hier, um zu stören.
Denn es genügt nicht, still zu wissen. Wer die Wahrheit gesehen hat, aber sie nicht ruft, hat sie verraten. Wer die Dunkelheit erkennt, aber das Licht nicht entzündet, macht sich schuldig. Und wer den Schrei des Lichts nicht hinausträgt, lässt die Welt im Flüstern der Lüge versinken.
Die Bücher, die ich schreibe, sind keine Antworten. Sie sind Splitter. Sie sollen im Denken schmerzen. Sie sollen rütteln. Sie sind nicht bequem, nicht rund, nicht vollständig. Sie sind Brüche. Fragen. Aufrufe. Ich will nicht lehren – ich will aufwecken. Ich will kein Podest. Ich will, dass du stolperst. Und im Fallen merkst: Da war etwas falsch. Vielleicht alles.
Ich schreibe nicht, weil ich glaube, die Fülle zu haben. Ich schreibe, weil ich die Leere gespürt habe. Die Welt ist voll von Stimmen, die sich selbst feiern. Religionen, die sich inszenieren. Systeme, die sich krönen. Und alle rufen: „Ich bin das Licht!“
Aber Christus… Christus sagt nicht: „Sieh mich an, weil ich glänze.“
Er sagt: „Sieh ihn an.“
Das ist der Unterschied, der die Welt erschüttert. Der eine ruft: „Ich bin wichtig.“ Der andere sagt: „Du bist geliebt.“ Der eine fordert Anbetung. Der andere kniet sich hin und wäscht Füße. Der eine braucht den Applaus. Der andere trägt das Kreuz.
Deshalb schreibe ich. Deshalb rufe ich. Weil der Kontrast zu groß ist, um still zu bleiben. Weil alles, was sich als göttlich aufspielt, was Bühne und Glanz und Dominanz sucht, nicht Gott ist – sondern dessen Parodie. Der wahre Gott versteckt sich nicht – aber er brüllt auch nicht. Er wartet. Er leuchtet. Und wer ihn sieht, erkennt: Das war nie ich. Das war mehr.
Ich bin kein Prophet im klassischen Sinne. Ich trage keinen Stab. Kein Gewand. Keine Vision von Feuerwagen. Ich habe nur das, was bleibt, wenn man alles verliert:
Ein brennendes Herz und eine unstillbare Sehnsucht nach Wahrheit.
Und darum sage ich:
Schweigen ist keine Option. Nicht in dieser Zeit. Nicht, wenn Systeme Lügen institutionalisiert haben. Nicht, wenn Wahrheit zur Geschmacksfrage gemacht wird. Nicht, wenn Licht zu einem Algorithmus verkrüppelt wird, der verkauft, statt zu verwandeln.
Die Menschen schreien nach Bedeutung. Nach Identität. Nach etwas, das sie trägt. Und sie bekommen ein Spektakel. Ein künstliches Echo. Ein digitales Abziehbild von Echtheit.
Ich bin hier, um das Original zu suchen. Und um andere anzustiften, es auch zu tun.
Wenn du mich liest, sollst du nicht sagen: „Wie schön formuliert.“
Du sollst sagen: „Ich halte das nicht mehr aus.“
Nicht das System. Nicht die Lüge. Nicht das Schweigen. Nicht das dumpfe Gefühl, dass sich etwas falsch anfühlt – und alle trotzdem mitmachen.
Ich schreibe, um zu reißen. Nicht zu flicken.
Ich schreibe, um zu unterbrechen. Nicht zu beruhigen.
Ich schreibe, weil ich glaube, dass einer allein nicht reicht – aber einer anfangen muss.
Du kannst warten, bis sich alles von selbst aufklärt.
Oder du kannst rufen.
Und vielleicht ruft dann noch einer. Und noch einer. Und dann ist da ein Echo – aber eines, das verändert, nicht nur zurückplappert.
Ich bin nicht perfekt. Ich bin nicht vollständig. Ich bin nicht immer klar.
Aber ich bin laut, weil ich weiß, was auf dem Spiel steht.
Nicht Ruhm. Nicht Recht haben. Nicht Aufmerksamkeit.
Sondern: Licht.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen. – Johannes 1, 5